Wie dosiere ich Kratom?

Ist Kratom in Deutschland legal? Ja, aber es ist nicht unreguliert. Wir erklären, was beim Besitz, beim Kauf, im Straßenverkehr und auf Reisen gilt und warum auf Kratom „nicht zum Verzehr“ steht.


Von Marvin Fischer
6 Min. Lesezeit

Wie dosiere ich Kratom?

SamenDE · Wissen & Hintergrund

„Wie dosiere ich Kratom?" – das ist eine der häufigsten Fragen rund um die Pflanze. Eine seriöse Antwort mit Grammzahl gibt es nicht, und das hat gute Gründe. Hier erfährst du, warum weder wir noch andere Händler Dosierangaben machen dürfen, warum sich eine „richtige Menge" gar nicht verlässlich bestimmen lässt und welche Risiken und Wechselwirkungen du kennen solltest.

Getrocknete Kratom-Blätter neben einer leeren Laborwaage mit dunklem Display
Kratom und Dosierung: Eine verlässliche Mengenangabe gibt es nicht. KI-generiertes Symbolbild.

01Gibt es eine Kratom-Dosierung?

Kurz gesagt: Nein, jedenfalls keine offizielle. Kratom ist in der EU weder als Lebensmittel noch als Arzneimittel zugelassen. Deshalb gibt es keine geprüfte Dosierung, keine Verzehrsempfehlung und keine Höchstmenge, an der du dich orientieren könntest. Zahlen aus Foren oder Videos beruhen auf Erfahrungsberichten, nicht auf einer Sicherheitsbewertung.

Kratom (Mitragyna speciosa) ist ein Baum aus der Familie der Kaffeegewächse und stammt aus Südostasien. Seine Blätter enthalten Alkaloide, vor allem Mitragynin und in kleinen Mengen 7-Hydroxymitragynin. Beide wirken unter anderem an Opioid-Rezeptoren im Körper. Genau deshalb ist die Frage nach der Menge so heikel: Es geht nicht um Kräutertee, sondern um einen pharmakologisch aktiven Pflanzenstoff.

Warum steht hier keine Grammzahl?Weil jede Mengenangabe von uns eine Verzehrsempfehlung wäre – und die ist für Kratom rechtlich unzulässig. Und weil eine Zahl eine Sicherheit vortäuschen würde, die es bei Kratom nicht gibt. Die Gründe erklären wir dir in den nächsten zwei Abschnitten.

02Warum Shops keine Dosierangaben machen dürfen

Kratom ist in Deutschland nicht verboten. Weder die Pflanze noch ihre Alkaloide stehen im Betäubungsmittelgesetz. Besitz und Kauf sind deshalb nicht strafbar. Verkauft werden darf Kratom aber nur unter klaren Bedingungen – und die schließen Dosierangaben aus.

Welche Regeln Dosierangaben ausschließen
Regelwerk Was es für Kratom bedeutet
Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 Keine Zulassung als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung – also auch keine Verzehrsempfehlung
Arzneimittelgesetz (AMG) Kein zugelassenes Arzneimittel – keine Dosierung zu Heilzwecken
Heilmittelwerbegesetz (HWG) Keine Werbung mit Wirkung, etwa „gegen Schmerzen" oder „zum Entspannen"
Betäubungsmittelgesetz (BtMG) Nicht gelistet – Besitz und Kauf sind erlaubt

Seriöse Händler verkaufen Kratom deshalb ausdrücklich als botanisches Sammlerprodukt und nicht zum Verzehr. Wer dir im Shop eine Dosiertabelle, eine „Anfängermenge" oder eine Wirkungsbeschreibung nach Gramm anbietet, bewegt sich außerhalb dieser Regeln. Das ist ein Warnsignal für die Seriosität des Anbieters. Mehr zur Rechtslage liest du in unserem Ratgeber Ist Kratom legal?

03Warum sich keine „richtige Menge" bestimmen lässt

Selbst wenn Dosierangaben erlaubt wären: Eine verlässliche Zahl ließe sich kaum nennen. Das liegt an drei Faktoren.

Drei Petrischalen mit grünem Pflanzenpulver in unterschiedlichen Farbtönen neben frischen Kratom-Blättern
Gleiche Pflanze, unterschiedlicher Wirkstoffgehalt: Herkunft, Ernte und Lagerung machen den Unterschied. KI-generiertes Symbolbild.

1. Der Wirkstoffgehalt schwankt stark

Wie viel Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin ein Blattpulver enthält, hängt von Herkunft, Baumalter, Erntezeitpunkt, Trocknung und Lagerung ab. Zwei Beutel mit demselben Sortennamen können sich deutlich unterscheiden. Sortennamen wie „Red", „Green" oder „White" sind Handelsbezeichnungen, keine standardisierten Wirkstoffklassen.

2. Extrakte und 7-OH-Produkte sind eine eigene Kategorie

Neben Blattpulver gibt es Extrakte und Produkte mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin. Sie sind um ein Vielfaches konzentrierter. Behörden sehen sie besonders kritisch: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat 2025 empfohlen, konzentrierte 7-OH-Produkte als kontrollierte Substanz einzustufen. Erfahrungswerte zu Blattpulver lassen sich auf solche Produkte nicht übertragen.

3. Jeder Körper reagiert anders

Körpergewicht, Leberstoffwechsel, Medikamente, Gewöhnung und die Tagesform beeinflussen, wie stark ein Stoff wirkt. Bei Kratom kommt hinzu, dass sich schnell eine Toleranz entwickeln kann. Wer regelmäßig konsumiert, braucht für denselben Effekt mit der Zeit mehr – ein typischer Weg in die Abhängigkeit.

VerunreinigungenKratom ist kein kontrolliertes Lebensmittel. In den USA wurden Kratom-Produkte 2018 mit einem Salmonellen-Ausbruch in Verbindung gebracht, und die FDA fand in Proben Schwermetalle wie Blei und Nickel. Auch das macht jede Mengenangabe unzuverlässig.

04Bekannte Risiken und Nebenwirkungen

Die Forschung zu Kratom ist noch lückenhaft. Große, kontrollierte Studien am Menschen fehlen. Aus Befragungen, Fallberichten und Daten von Giftinformationszentren sind aber einige Risiken gut belegt.

Beschriebene Risiken (Auswahl)
Bereich Was berichtet wird
Häufige Beschwerden Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Schwindel, Mundtrockenheit, Appetitverlust, Schlafprobleme
Toleranz und Abhängigkeit Gut belegt bei regelmäßigem Konsum
Entzugserscheinungen Unruhe, Reizbarkeit, Muskel- und Gliederschmerzen, Schlafstörungen, laufende Nase, Durchfall
Leber Fallberichte über Leberschäden, teils nach wenigen Wochen
Nervensystem Fallberichte über Krampfanfälle und Verwirrtheit
Herz-Kreislauf Hinweise auf Herzrhythmusstörungen und erhöhten Blutdruck
Todesfälle Berichtet, in den allermeisten Fällen zusammen mit anderen Substanzen

Gerade der letzte Punkt zeigt, wo die größte Gefahr liegt: in der Kombination. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

05Wechselwirkungen mit Alkohol und Medikamenten

Kratom wirkt nicht isoliert. Es kann die Wirkung anderer Stoffe verstärken und beeinflusst Leberenzyme, über die viele Medikamente abgebaut werden (vor allem CYP2D6 und CYP3A4). Dadurch können Medikamente im Blut stärker oder länger wirken als gedacht.

Kratom-Blatt zwischen einem Glas Rotwein und einer Tablettenpackung
Besonders riskant: Kratom zusammen mit Alkohol oder Medikamenten. KI-generiertes Symbolbild.
Kombinationen mit erhöhtem Risiko
Kombination Mögliches Risiko
Alkohol Hoch – verstärkte Dämpfung, Übelkeit, Atemprobleme
Opioide (z. B. Schmerzmittel, Substitutionsmittel) Hoch – Gefahr einer Atemdepression
Benzodiazepine, Schlaf- und Beruhigungsmittel Hoch – verstärkte Sedierung, Atemdepression
Gabapentin, Pregabalin Hoch – verstärkte Dämpfung
Antidepressiva, Antipsychotika Erhöht – veränderter Medikamentenspiegel, Krampfneigung
Stimulanzien, hohe Mengen Koffein Erhöht – Belastung für Herz und Kreislauf
Andere Medikamente mit CYP-Abbau Unklar – ärztlich oder in der Apotheke abklären
WichtigWenn du Medikamente nimmst, sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke. Sag dabei offen, dass es um Kratom geht – nur so lässt sich eine Wechselwirkung einschätzen.

06Wer auf Kratom verzichten sollte

Für einige Gruppen ist das Risiko besonders hoch. Hier gilt keine „kleine Menge", sondern: Finger weg.

  • Schwangere und Stillende – bei Neugeborenen wurden Entzugssymptome beschrieben.
  • Minderjährige – wir verkaufen Kratom ausschließlich an Erwachsene.
  • Menschen mit Leber-, Herz- oder Nierenerkrankungen und mit Neigung zu Krampfanfällen.
  • Menschen, die Medikamente nehmen, besonders die in der Tabelle oben genannten.
  • Menschen mit einer aktuellen oder früheren Suchterkrankung, auch Alkohol oder Opioide.
  • Alle, die Auto fahren, Maschinen bedienen oder Verantwortung für andere tragen.
Kratom und StraßenverkehrFür Kratom gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert. Wer aber unter dem Einfluss berauschender Mittel fahrunsicher fährt, macht sich nach § 316 StGB strafbar – unabhängig vom Stoff.

07Warnzeichen und Hilfe

Im Notfall

Bei Atemnot, sehr flacher oder langsamer Atmung, Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerzen oder starker Verwirrtheit: sofort den Notruf 112 wählen. Sag den Einsatzkräften, was konsumiert wurde. Bei Fragen zu einer möglichen Vergiftung helfen die Giftinformationszentren rund um die Uhr, zum Beispiel der Giftnotruf Berlin unter 030 19240.

Bei Gewöhnung oder Abhängigkeit

Achte auf diese Anzeichen: Du brauchst mehr als früher, du fühlst dich ohne Kratom unruhig oder krank, oder es fällt dir schwer, Pausen einzulegen. Dann ist es Zeit, mit jemandem zu sprechen. Anlaufstellen sind deine Hausarztpraxis, eine örtliche Suchtberatungsstelle oder die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Setz Kratom nach längerem regelmäßigem Konsum nicht allein abrupt ab, sondern lass dich dabei begleiten.

08Häufige Fragen

Wie viel Kratom ist sicher?

Eine sichere Menge ist nicht bekannt. Kratom hat in der EU keine Zulassung als Lebensmittel oder Arzneimittel, deshalb gibt es keine geprüfte Dosierung und keine Höchstmenge.

Warum geben Kratom-Shops keine Dosierung an?

Weil Kratom nur als Sammlerprodukt und nicht zum Verzehr verkauft werden darf. Eine Dosierangabe wäre eine Verzehrsempfehlung und damit unzulässig.

Kann ich mich auf Dosierangaben aus Foren verlassen?

Nein. Solche Zahlen beruhen auf Erfahrungsberichten. Der Wirkstoffgehalt von Kratom schwankt stark, und jeder Körper reagiert anders.

Macht Kratom abhängig?

Ja, das ist möglich. Bei regelmäßigem Konsum kann sich eine Toleranz und eine Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen entwickeln.

Darf ich Kratom mit Alkohol oder Medikamenten kombinieren?

Davon raten wir ausdrücklich ab. Besonders mit Alkohol, Opioiden, Benzodiazepinen und anderen dämpfenden Mitteln steigt das Risiko ernster Nebenwirkungen bis hin zur Atemdepression.

Ist Kratom-Extrakt stärker als Blattpulver?

Ja, Extrakte und Produkte mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin sind deutlich konzentrierter. Erfahrungswerte zu Blattpulver lassen sich darauf nicht übertragen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich nicht mehr aufhören kann?

Bei deiner Hausarztpraxis, einer Suchtberatungsstelle in deiner Nähe oder bei der Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Im Notfall wähle 112.

09 · Methodik & Quellen

Redaktionelle Einordnung auf Grundlage der geltenden Gesetzestexte sowie öffentlicher Einschätzungen von Gesundheitsbehörden. Der Beitrag nennt bewusst keine Mengenangaben. Stand wie oben angegeben.

  1. Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel.
  2. Arzneimittelgesetz (AMG) und Heilmittelwerbegesetz (HWG).
  3. Betäubungsmittelgesetz (BtMG) mit Anlagen I–III.
  4. Europäische Drogenagentur (EUDA, vormals EMCDDA): Drogenprofil Kratom.
  5. Weltgesundheitsorganisation, Expert Committee on Drug Dependence: Critical Review Kratom (2021).
  6. U.S. Food and Drug Administration: Informationen zu Kratom und 7-Hydroxymitragynin (2025).
  7. U.S. Centers for Disease Control and Prevention: Salmonellen-Ausbruch im Zusammenhang mit Kratom (2018).
  8. § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr).
HinweisDieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Verzehrs- oder Dosierempfehlung. Kratom-Produkte bei SamenDE werden ausschließlich als Sammlerprodukte und nicht zum Verzehr angeboten.

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